Über das Stück
Unser Leben ist geprägt von zahllosen Regeln und Konventionen. Manche treten ganz klar auf, als Gesetze zum Beispiel. Andere befolgen alle, aber sie sind eigentlich nirgends festgehalten: Wir setzen uns im Zug ins freie Abteil. Richten die Sauce auf den Spaghetti an und nicht darunter. Sparen möglichst viel Geld an, egal ob wir es wirklich brauchen oder nicht. Leben einen Job-lastigen, getakteten Alltag und stellen dabei unser psychisches Wohlbefinden hinten an. Ziehen mit der ersten grossen Liebe früher oder später zu zweit in eine Wohnung. Die Liste der AGBs des Lebens ist endlos.
Aber wer liest eigentlich die AGBs wirklich, setzt ganz aktiv ein Häkchen bei «Ja, ich bin einverstanden.»? Und wer schwimmt einfach mit dem Strom mit, weil es halt eben normal ist? Klar, nicht alle. Aber auch die Leute, die auf gesellschaftliche Konventionen pfeifen, müssen sich mit AGBs herumschlagen. Den ganz persönlichen nämlich in Form von Glaubenssätzen. Und die eigenen AGBs sind meistens die, denen man am strengsten folgt. Aber wirklich gelesen werden diese persönlichen AGBs oftmals erst in einer Therapie. Und umgeschrieben sind sie damit noch lange nicht.
Auch das Einmaleins des guten Tons verändert sich ständig. Was vor einer Generation als galant undhöflich galt, ist heute patriarchal oder prüde. Und auch wie sich die verschiedenen Geschlechter zu verhalten haben, könnte dutzende verschiedene AGB-Bücher füllen.
Wer entscheidet eigentlich, welche AGBs gerade jetzt gelten und wo kann man sie Nachlesen? Früher gab es Bücher mit dem Titel «das 1x1 des guten Tons» oder den «Knigge». Heute füttert dich Instagram mit ganz bubble-spezifischen Verhaltensregeln. Wir wollen damit spielen, Kontraste und Gemeinsamkeiten finden und die eineoder andere Absurdität aufdecken.
Und was passiert, wenn sich Einzelne nicht mehr an die AGBs des Lebens halten? Bricht dann alles zusammen oder gibt gerade das Raum für eine vielleicht viel bessere Art zu leben? Wir vom Kollektiv Commixtus wollen die AGBs des Lebens hinterfragen, umschreiben, verbessern und dann allenfalls auch gleich wieder verwerfen.